{"id":8,"date":"2008-11-06T12:26:12","date_gmt":"2008-11-06T11:26:12","guid":{"rendered":"http:\/\/jobs.aureliasan.localhost\/2008\/ammon.de\/?page_id=8"},"modified":"2023-10-21T11:49:18","modified_gmt":"2023-10-21T10:49:18","slug":"wie-der-weihrauch-wieder-nach-europa-kam","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.boswellia.org\/blog\/wie-der-weihrauch-wieder-nach-europa-kam\/","title":{"rendered":"7. Wie der Weihrauch wieder nach Europa kam"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<h3>Die Vorgeschichte<\/h3>\n<p>Man muss sich fragen, warum ein Pharmakologe, der sich ausschlie\u00dflich mit harten, naturwissenschaftlich gepr\u00e4gten pharmakologischen Wirkungen von Arzneistoffen sowie mit der Zellbiologie insulinproduzierender Zellen besch\u00e4ftigt hat und sich noch besch\u00e4ftigt, ausgerechnet Weihrauch als ein Forschungsthema heraussucht.<\/p>\n<p>Dies ging so:<\/p>\n<p>1979 wurde Prof. Ammon auf Vorschlag von Herrn Prof. Reinhard, (damals Pr\u00e4sident der Gesellschaft f\u00fcr Arzneipflanzenforschung) vom Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit in seiner Eigenschaft als Pharmakologe gebeten, als Mitglied einer wissenschaftlichen Delegation vier Wochen durch Indien zu reisen, um sich dort an Ort und Stelle \u00fcber das Wesen der traditionellen Medizin Indiens \u2013 dem Ayurveda \u2013 zu informieren und dem Ministerium in einem gemeinsamen Bericht mitzuteilen, was davon zu halten sei.<\/p>\n<h3>Wie kam Prof. Ammon dabei an den indischen Weihrauch?<\/h3>\n<p>Nachdem die Gruppe offensichtlich einen akzeptablen Bericht an das Ministerium abgegeben hatte, kam wiederum eines Tages die Bitte, sich nach Indien zu begeben, um sich dort n\u00e4her \u00fcber Art und Weise der Wirkung, Anwendung von Arzneipflanzen zu informieren. Die indische Regierung, der nat\u00fcrlich klar war, dass sie das System von Ayurveda weiterhin als medizinische Basis f\u00fcr die Versorgung der Bev\u00f6lkerung braucht, hatte mehrere Forschungsinstitute beauftragt, sich eine Reihe von Arzneipflanzen, die in der Ayurveda Medizin verwendet werden, vorzunehmen und diese mit wissenschaftlichen Methoden daraufhin zu untersuchen, ob sie denn auch tats\u00e4chlich \u00fcber pharmakologisch nachweisbare Wirkungen verf\u00fcgten, die ihre Anwendung bei gewissen Erkrankungen rechtfertigten.<\/p>\n<p>Dabei kam Prof. Ammon 1986 auch nach Jammu in Kaschmir an das dortige Regional Research Laboratory, das sich mit eben solchen Fragen besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img src=\"http:\/\/www.boswellia.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/rrl.jpg\" alt=\"rrl.jpg\" \/><\/td>\n<td align=\"left\" valign=\"bottom\">Regional Research Laboratory Jammu<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Dort lernte er den Pharmakologen Dr. G.B. Singh kennen, der ihm mit gro\u00dfem Wortschwall und Enthusiasmus von einer Droge erz\u00e4hlte, die man in Indien unter dem Pr\u00e4paratenamen Sallaki zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen verwendete und von der er und seine Mitarbeiter nachgewiesen hatten, dass dieses Pr\u00e4parat, das man in der ayurvedischen Medizin Salei guggal nannte, in Tierversuchen experimentell erzeugte Entz\u00fcndungsvorg\u00e4nge g\u00fcnstig beeinflusste. Es gab dar\u00fcber auch bereits entsprechende Publikationen dieses Instituts.<\/p>\n<table border=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img src=\"http:\/\/www.boswellia.org\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/singh.jpg\" alt=\"singh.jpg\" \/><\/td>\n<td align=\"left\" valign=\"bottom\">Dr. C. B. Singh zeigt Prof. Ammon die abschwellende Wirkung eines Salai guggal Extraktes am experimentell erzeugtem \u00d6dem an der Pfote einer Ratte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Dr. Singh sagte Prof. Ammon jedoch, dass sie keine Kenntnis \u00fcber die Wirkungsweise h\u00e4tten. Er vermutete, dass von den Inhaltsstoffen des Salei guggal sogenannte Boswellias\u00e4uren an der Wirkung beteiligt sein k\u00f6nnten. Dr. Singh meinte, dass man in Deutschland doch viel bessere M\u00f6glichkeiten h\u00e4tte, etwas \u00fcber die Wirkstoffe, deren Wirkungen sowie eventuell auch den Wirkungsmechanismus in Erfahrung zu bringen und \u00fcbergab Prof. Ammon ein Fl\u00e4schchen mit einem wei\u00dfen Pulver, darauf stand \u201cSalei guggal\u201c. Ammon wollte nicht unh\u00f6flich sein und nahm das Fl\u00e4schchen mit nach T\u00fcbingen, wohlwissend, dass es dort in irgend einer Ecke verstauben w\u00fcrde, da sein Arbeitsgebiet sich ja im Wesentlichen mit Fragen der Zellbiologie der Langerhans\u00b4schen Inseln und der Insulinsekretion besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<h3>Der Weihrauch und die Leukotriene<\/h3>\n<p>Wie der Zufall jedoch manchmal spielt, gewann Prof. Ammon einen au\u00dferordentlich flei\u00dfigen und t\u00fcchtigen neuen Mitarbeiter als wissenschaftlichen Assistenten f\u00fcr seinen Lehrstuhl. Er war Biochemiker, sein Name Dr. Hassan Safayhi. Als er ihn einstellte, las er sich seine Dissertationsarbeit durch und erfuhr, dass er sich sehr wesentlich mit dem Einfluss entz\u00fcndungshemmender Arzneistoffe auf die Bildung von Entz\u00fcndungsmediatoren wie z.B. Prostaglandine, Leukotriene usw. besch\u00e4ftigt hatte.<\/p>\n<p>Herr Safayhi wurde urspr\u00fcnglich in Prof. Ammons Team integriert und seine Aufgabe war es, ebenfalls an zellbiologischen Vorg\u00e4ngen, die zur Sekretion von Insulin f\u00fchren, mitzuarbeiten. Es ging zun\u00e4chst um die Rolle des Calziums bei der Sekretion und hier insbesondere um einen Calciumantagonisten. Da erinnerte sich Ammon, dass in seinem Schrank noch ein kleines Fl\u00e4schchen mit besagtem wei\u00dfen Pulver namens Salei guggal stand. Er bat Herrn Safayhi, doch nochmals seine Assays zur Bestimmung von Leukotrienen und Prostaglandinen, die er w\u00e4hrend seiner Dissertation ja beherrschte, zu installieren und einfach mal zu untersuchen, ob Salei guggal einen Einfluss auf die Bildung von Prostaglandinen und Leukotrienen h\u00e4tte. Er tat dies und fand zun\u00e4chst, dass Salei guggal konzentrationsabh\u00e4ngig in peritonealen mononuklearen neutrophilen Leukozyten (PMNL) der Ratte, wenn diese denn mit Calzium stimuliert wurden, dosisabh\u00e4ngig die Leukotriensynthese hemmen konnte, ohne dabei in diesen Versuchen die Prostaglandinsynthese in einem \u00e4hnlichen Konzentrationsbereich deutlich zu unterdr\u00fccken. Unter den entz\u00fcndungshemmenden Arzneistoffen, die damals zur Verf\u00fcgung standen, gab es au\u00dfer den Glucocorticoiden keinen, der die Bildung oder Wirkung von Leukotrienen im Entz\u00fcndungsgeschehen irgendwie beeinflussen konnte. Es war Prof. Ammon damals auch bewusst, dass es eine Reihe, &#8211; insbesondere chronisch entz\u00fcndlicher Erkrankungen &#8211; gab, bei denen man eine vermehrte Aktivit\u00e4t von Leukotrienen mitverantwortlich f\u00fcr die Aufrechterhaltung des Entz\u00fcndungszustandes machte.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, 1991 erschien eine erste Publikation: Ammon H.P.T., Mack Th. Singh G.B.und Safayhi H. mit dem Titel; \u201cInhibition of Leukotriene B4 formation in Rat Peritoneal Neutrophils by an ethanolic extract of the gum resin exsudate of Boswellic serrata\u201c in der Zeitschrift Planta Medica. Prof. Ammon wollte nun nat\u00fcrlich wissen, was Salei guggal eigentlich sei und fand in der Literatur, dass es sich dabei um das Harz von Boswellia serrata, dem indischen Weihrauchbaum handelte. Boswellia serrata geh\u00f6rt zur Familie der Burseraceen, zu der auch die Weihrauchb\u00e4ume Afrikas z\u00e4hlen \u2013 auch wenn es sich dabei um unterschiedliche Species handelt. Stimuliert durch diese ersten Ergebnisse fragten sich Prof. Ammon und seine Mitarbeiter, welches denn die Inhaltstoffe des Harzes seien, das unter dem Namen Boswellia serrata auch noch im Deutschen Arzneibuch Nr. 6 Erg\u00e4nzungsband (1953) unter der Bezeichnung Olibanum zusammen mit afrikanischen Weihraucharten zu finden war. Es stellte sich heraus, dass die Hauptinhaltsstoffe Schleim, \u00e4therische \u00d6le und Harzs\u00e4uren seien, und dass unter diesen Harzs\u00e4uren sich eine spezielle Gruppe sogenannter pentazyklischer Triterpene befindet, zu denen verschieden strukturierte Boswellias\u00e4uren geh\u00f6ren. Es galt jetzt herauszufinden, welche dieser Substanzen f\u00fcr die gezeigte Wirkung des Extraktes verantwortlich sein k\u00f6nnten. So st\u00fcrzten sie sich denn auf die Fraktion der pentazyklischen Triterpene und isolierten nach einer alten Vorschrift von Winterstein und Stein aus dem Jahre 1931 eine Fraktion acetylierter Boswellias\u00e4uren. Sie wiederholten nun ihr Experiment und erhielten dieselben Ergebnisse wie mit dem Extrakt und zwar \u2013 wie zu erwarten war &#8211; mit sehr viel niedrigeren Konzentrationen. Es stellte sich in diesem Zusammenhang heraus, dass diese Boswellias\u00e4uren offensichtlich nur einen geringen Einfluss auf die Synthese von Prostaglandinen hatten, zumindest nicht in einem therapeutisch vertretbaren Bereich. Zur gro\u00dfen Freude ver\u00f6ffentlichte die sehr renommierte amerikanische Zeitschrift \u201eJournal of Pharmacology and Experimental Therapeutics\u201c unter dem Titel: \u201cBoswellic acids: novel, specific nonredox inhibitors of 5-lipoxigenase\u201c 1992 diese Ergebnisse.<\/p>\n<p>Immer wieder unter Verwendung von neutrophilen Granulozyten konnten Prof. Ammon und Mitarbeiter Strukturanalysen mit verschiedenen Boswellias\u00e4uren durchf\u00fchren, bei denen sich zeigte, dass zwei besonders wirksam waren, n\u00e4mlich die Acetyl-11-Keto-\u00df-Boswellias\u00e4ure und 11-Keto-\u00df-Boswellias\u00e4ure. Andere waren z.T. weniger aktiv und es gab auch solche pentazyclische Triterpene, die keine Wirkung auf die Leukotriensynthese hatten bzw. den vorher genannten Boswellias\u00e4uren sogar entgegengesetzt wirkten. R\u00fcckblickend gesehen, hatten sie also mit dem Extrakt ein Gemisch, in dem eine ganze Reihe unterschiedlich wirkender Substanzen kombiniert waren, bei dem unter Verwendung ihres Modells aber immer wieder eine Hemmung der Leukotriensynthese herauskam. Letztere entpuppte sich als Folge einer direkten Hemmwirkung auf das Enzym 5-Lipoxigenase in der Arachidons\u00e4urekaskade.Weitere Untersuchungen in den sp\u00e4teren Jahren zeigten dann noch andere Wirkungen, wenn auch bei h\u00f6heren Konzentrationen als diejenigen, die zur Hemmung der Leukotriensynthese notwendig waren. So fand sich eine Hemmung der Proliferation bei HL60 Tumorzellen sowie bei Gliomazellen. Sp\u00e4ter wurden von anderen Autoren eben solche Ergebnisse auch bei anderen Tumorzellen erzielt. Das Problem ist jedoch, dass zu dieser Wirkung eine mindestens 10 mal h\u00f6here Konzentration von Boswellias\u00e4uren notwendig ist als f\u00fcr die Hemmung der Leukotriensynthese. Die Wirkung auf Tumorzellen zeigte sich dadurch, dass neben der Hemmung der Proliferation, diese auch zur Apopotose getrieben werden und schlie\u00dflich auch die Aktivit\u00e4t der Topoisomerasen 1 und 2, die bei der Zellteilung eine Rolle spielen, unterdr\u00fcckt wurde. Weitere Untersuchungen zu Entz\u00fcndungs-parametern ergaben eine Hemmwirkung auf den Tumornekrosefaktor alpha, von Interleukin-1 sowie der Sauerstoffradikalbildung und der Elastaseaktivit\u00e4t. Doch diese Wirkungen ben\u00f6tigten h\u00f6here Konzentrationen von Boswellias\u00e4uren als sie zur Hemmung der 5-Lipoxigenase notwendig waren.<\/p>\n<h3>Erste klinische Studien<\/h3>\n<p>Zur Zeit als die T\u00fcbinger Gruppe von Prof. Ammon mit ihren Untersuchungen an Salai guggal begann, gab es bereits in Indien ein dort zugelassenes Weihrauchprodukt unter dem Namen Sallaki zur Verwendung bei rheumatischen Erkrankungen der Firma Gufic. Unabh\u00e4ngig und in Unkenntnis der T\u00fcbinger Aktivit\u00e4ten ab 1986 begann die 1983 gegr\u00fcndete Firma Ayurmedica in P\u00f6cking bereits 1984 auch eine Zusammenarbeit mit der Firma Gufic mit dem Ziel, das in Indien damals kaum beachtete Weihrauchprodukt mit dem Namen Sallaki unter dem neuen Namen H15 Ayurmedica in Deutschland zur Zulassung und damit auf den Markt zu bringen. Sie initiierte hierzu auch eine Reihe klinischer Studien (unver\u00f6ffentlicht) zur rheumatoiden Arthritis und zur CED (ver\u00f6ffentlicht), die zu positiven Ergebnissen f\u00fchrten. Der Versuch, damit eine Zulassung zu erreichen, misslang jedoch.<\/p>\n<p>Es misslang, da die H\u00fcrden des Arzneimittelgesetzes viel zu hoch waren und dieses seit Jahrtausenden verwendete Naturprodukt als \u201eNew chemical Entity\u201c eingestuft wurde, mit der Ma\u00dfgabe, dass auch dieses Pr\u00e4parat alle Anforderung an ein neues chemisch gewonnenes Arzneimittel zu erf\u00fcllen habe. Dem mehr als zehn Jahre dauernden Entwicklungsprozess\u00a0 war die kleine Firma nicht gewachsen. In dieser Zeit wurde unter dem Namen H15 Ayurmedica das Produkt von\u00a0 Gufic in Tablettenform f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt produziert, denn als in Indien jetzt auch unter demselben Namen H15 zugelassenem Produkt durfte dieses, wie gesagt, nach Deutschland in Einzelportionen eingef\u00fchrt und auf \u00e4rztliches Rezept verordnet werden. Allerdings war eine Lagerung in Deutschland nicht gestattet, wohl aber in der Schweiz im Kanton Appenzell bei der Firma Ebipharm. Von dort konnte es auf raschem Wege in die Bundesrepublik gelangen. In der Zwischenzeit haben sich die Firma Ayurmedica und die Firma Gufic getrennt. Der Import von Sallaki Tabletten nach Deutschland erfolgt jetzt von Gufic \u00fcber internationale Apotheken.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, festzuhalten ist:<br \/>\nLetztlich brachte die Firma Ayurmedica Mitte der achtziger Jahre ein Weihrauchprodukt nach Europa, das wie durch Zufall durch die wenige Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichten wissenschaftliche Daten zur Hemmung der Leukotriensynthese\u00a0 und einigen kleinen klinischen Studien zu chronisch entz\u00fcndlichen Darmerkrankungen, Asthma und Hirntumor einen raschen und enormen Aufw\u00e4rtstrend erlebte. Leider war dieser Aufw\u00e4rtstrend begleitet von vielen b\u00f6sen gerichtlichen Auseinandersetzungen verschiedener Interessenten im Kampf um das Geld!!<\/p>\n<p>In Deutschland gibt es derzeit kein zugelassenes Weihrauchprodukt. Dagegen sind in Indien zwei zugelassene Produkte auf dem Markt, Sallaki\u00a0 ( H15) der Firma Gufic oder Indian Boswellia der Firma Indian Boswellia Lab in Agra. In Deutschland selbst werden Weihrauchpr\u00e4parate unter Umgehung einer Zulassung ohne Nennung einer Indikation als \u201eNahrungserg\u00e4nzungsmittel\u201c vertrieben.<\/p>\n<p>In Unkenntnis der Etzel\u2019schen Aktivit\u00e4ten veranlasste die T\u00fcbinger Arbeitsgruppe die Beobachtung, dass der Extrakt bzw. Boswellias\u00e4uren die 5-Lipoxygenase hemmten, eine Liste chronisch entz\u00fcndlicher Erkrankungen aufzustellen, bei denen wohl insbesondere eine vermehrte Bildung von Leukotrienen f\u00fcr die Aufrechterhaltung der Entz\u00fcndung verantwortlich gemacht wird.<br \/>\nEs handelt sich dabei in erster Linie um Autoimmunerkrankungen. Man muss wissen, dass die pharmazeutische Industrie zu dieser Zeit intensivst bem\u00fcht war, Substanzen zu finden, die speziell die Leukotriensynthese oder deren Wirkungen unterdr\u00fccken konnten, dies aber ohne Erfolg, denn alle zun\u00e4chst als wirksam erkannten Stoffe stellten sich als toxisch heraus. Man h\u00e4tte jetzt denken k\u00f6nnen, dass man sich nach den Befunden aus T\u00fcbingen auf die Boswellias\u00e4uren st\u00fcrzen w\u00fcrde \u2013 noch zudem chronisch durchgef\u00fchrte toxikologische Studien in Indien keine Gef\u00e4hrdungshinweise ergaben \u2013 aber nichts passierte. So musste also Prof. Ammon selbst t\u00e4tig werden, um klinische Nachweise f\u00fcr die Hypothesen einer Wirksamkeit bei solchen chronisch entz\u00fcndlichen Erkrankungen, bei denen eine vermehrte Leukotrienwirkung eine wichtige Rolle spielt, zu erbringen. Es kam zun\u00e4chst die Idee auf, dass ein Weihrauchextrakt z.B. bei der Colitis ulcerosa wirksam sein m\u00fcsste. Dies galt es aber zu beweisen. In seinem Umfeld fanden\u00a0 sich jedoch keine medizinischen Kollegen, es bei einschl\u00e4gigen Patienten einmal mit einem Weihrauchextrakt zu versuchen. So suchte Prof. Ammon wieder den Kontakt zu seinem Kollegen in Jammu, Dr. Singh und fragte ihn, ob m\u00f6glicherweise bei ihm an der Universit\u00e4t zumindest eine Pilotstudie zum Thema Colitis ulcerosa m\u00f6glich w\u00e4re. Er fand dann einen Kollegen Dr. I. Gupta, seines Zeichens Gastroenterologe, der sich bereit erkl\u00e4rte, sich der Sache anzunehmen. Um es kurz zu machen, es zeigte sich bei seinen Ergebnissen, dass eine 6-w\u00f6chige Verabreichung eines alkoholischen Weihrauchextraktes bei 80 % der Patienten zur Remission f\u00fchrte.\u00a0 Diese Studie wurde dann 1997 publiziert. Sie hatte leider M\u00e4ngel, denn die Anzahl der Kontrollen mit Sulfasalazin war nach westlichen Vorstellungen nicht ausreichend. Vorhaltungen an Dr. Gupta riefen bei ihm nur ein mitleidiges L\u00e4cheln hervor, nach dem Motto: Herr Ammon, Sie haben leicht reden, aber wir sind hier in Indien und Sulfasalazin ist teuer. Hier kostet eine Tablette eine Mark, das k\u00f6nnen sich nur reiche Leute leisten. Der Weihrauchextrakt kostet fast gar nichts und deswegen k\u00f6nnen wir damit viele Patienten behandeln.<\/p>\n<p>Prof. Ammon dachte, dass der Extrakt auch bei Patienten mit Asthma bronchiale wirksam sein musste, denn hier war bekannt, dass eine vermehrte Leukotrienbildung sowohl den Tonus der Bronchialmuskulatur steigert als auch die \u00d6dem- und Schleimbildung. Wie dem auch sei, wiederum f\u00fchrte Dr. Gupta in Indien eine 6-w\u00f6chige Studie an Asthmapatienten durch und fand tats\u00e4chlich, dass Atemnot und Anfallsh\u00e4ufigkeit geringer wurden und sich auch die respiratorischen Parameter verbesserten. Diesmal war die Zahl der Kontrollpersonen genau so gro\u00df wie die der mit Salei guggal behandelten Gruppe. Er hatte n\u00e4mlich den Kontrollpersonen Placebo gegeben, was nichts kostet. Bei uns nicht vorstellbar! Zur\u00fcck nach Deutschland. Offensichtlich hatte sich etwas \u00fcber die Befunde mit Salei guggal herumgesprochen. Prof. Ammon erhielt eines Tages eine Einladung zu einem Vortrag in der Stoffwechselklinik Bad Mergentheim vor einem Auditorium Colitis ulcerosa und Morbus Crohn kranker Patienten.<br \/>\nEs scheint so, als h\u00e4tte der eine oder andere Patient mit Colitis ulcerosa einfach die vorgetragenen Ergebnisse aus Indien aufgegriffen, sich einen alkoholischen Extrakt aus Boswellia serata unter dem Namen H 15 (Indien) besorgt und sich selbst damit behandelt. Zu ihrer \u00dcberraschung fand sich eine deutliche Besserung ihrer Situation. Diese Patienten waren unter kontinuierlicher Behandlung am Klinikum in Mannheim und zwar an der Ambulanz f\u00fcr Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Kranke, die von dem Oberarzt Dr. H. Gerhardt geleitet wurde.<br \/>\nSie setzten sich mit Herrn Gerhardt in Verbindung und berichteten ihm \u00fcber ihre Erfolge. Er glaubte ihnen aber nicht. Das sei Humbug oder Placebo oder was auch immer. Offensichtlich kamen zur dieser Zeit dann mehrere Patienten mit dem H 15 in Kontakt und Herr Gerhardt wurde immer wieder mit Erfolgsmeldungen konfrontiert, so dass er schlie\u00dflich in seiner Ambulanz selbst Patienten mit dem Pr\u00e4parat H 15 behandelte und, um es wiederum kurz zu machen, wie er Prof. Ammon immer wieder berichtete, mit erstaunlichem Erfolg. Angeblich konnte er bei diesen Patienten einen gr\u00f6\u00dferen Teil der Kortisongaben einsparen. In der Zwischenzeit hat sich diese Nachricht wohl in Deutschland herumgesprochen, denn es gibt jetzt eine gro\u00dfe Anzahl von Patienten mit Colitis ulcerosa und auch Morbus Crohn, (f\u00fcr letztere Krankheit hatte Herr Gerhardt 2001 Daten publiziert), die erfolgreich mit dem Weihrauchprodukt\u00a0 behandelt werden k\u00f6nnen und, was der Vorteil ist, nicht \u00fcber Nebenwirkungen klagen mussten, insbesondere nicht \u00fcber solche, wie sie beim Kortison auftreten, wenn dieses langfristig gegeben wird.<br \/>\nVor der ersten Publikation \u00fcber die Hemmung der Leukotriensynthese\u00a0 im Jahr 1991 gab es nur ca. 5 wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen zu pharmakologischen Wirkungen von Extrakten aus dem Harz von Boswelliaarten. In der Zwischenzeit sind zu diesem Thema \u00fcber 200 Publikationen, verteilt \u00fcber die ganze Welt erschienen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Der schwere Weg, ein Phytopharmakon durch die Zulassungsbeh\u00f6rden zu bringen<\/h3>\n<p>Prof. Ammon wollte nun ebenfalls mit einer Firma aus dem Phytopharmakabereich erreichen, dass diese ein standardisiertes Extraktprodukt herstellt, das dann auch eine Zulassung durch das BfArM erhalten sollte und somit als erstes Weihrauchprodukt mit ordentlicher Qualit\u00e4t f\u00fcr den Verbraucher verf\u00fcgbar war. Dies konnte bisher wie gesagt wegen der schier un\u00fcberwindlichen H\u00fcrden der Zulassungsbeh\u00f6rden nicht realisiert werden.<\/p>\n<p>Zahlreiche Fernseh- und Rundfunkbeitr\u00e4ge sowie andere Medienberichte hatten in der Zwischenzeit f\u00fcr gro\u00dfes Interesse bei einschl\u00e4gigen Patienten gesorgt. Es fanden sich daher schnell viele Firmen, die erkannten, wie man das Arzneimittelgesetz umgehen konnte, ohne einen Cent zu investieren. Man deklarierte Weihrauch daher einfach als \u201cNahrungserg\u00e4nzungsmittel(!)\u201c und ben\u00f6tigte damit keine kostspielige Zulassung. Die Beh\u00f6rden unternehmen nichts! Auf dem Markt tummeln sich z. Zt. Extrakte aus verschiedenen Weihrauchspezies, kaum auf Wirkstoffgehalt standardisiert, z.T. mit falschen Angaben zum Inhalt. Da es bei uns kein zugelassenes Produkt gibt und die Kassen das Pr\u00e4parat H 15 aus Indien nicht bezahlen, werden von den Patienten in gro\u00dfem Umfang diese nicht gepr\u00fcften Produkte verwendet. Das in Indien zugelassene Pr\u00e4parat H15 der Firma Gufic, Bombay darf jedoch nach Deutschland importiert und auf \u00e4rztliches Rezept von den Apotheken abgegeben werden. Der Gehalt an einigen der wirksamsten Inhaltsstoffe bestimmter Boswellias\u00e4uren hat sich dabei als relativ konstant erwiesen. Bei der toxikologischen Pr\u00fcfung ergaben sich keine Bedenken.<\/p>\n<p>Es ist wirklich grotesk: Seit Jahrtausenden wird Weihrauch (Olibanum) in den verschiedenen Kulturen als Arzneimittel benutzt und k\u00fcrzlich fand er sogar wieder Aufnahme in das Europ\u00e4ische Arzneibuch. Wie diese Website zeigt, h\u00e4ufen sich pr\u00e4klinische und klinische Daten. Das Arzneimittelgesetz sieht jedoch Olibanum als \u201eneue chemical identy\u201c an und fordert dieselbe Studienprozedur wie bei einer unbekannten neuen chemischen Struktur. Gemessen an den aufgezeigten Anwendungsm\u00f6glichkeiten sind die Risiken minimal. Von welchen anderen Arzneimitteln gleicher Anwendungen kann man das schon sagen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vorgeschichte Man muss sich fragen, warum ein Pharmakologe, der sich ausschlie\u00dflich mit harten, naturwissenschaftlich gepr\u00e4gten pharmakologischen Wirkungen von Arzneistoffen sowie mit der Zellbiologie insulinproduzierender Zellen besch\u00e4ftigt hat und sich noch besch\u00e4ftigt, ausgerechnet Weihrauch als ein Forschungsthema heraussucht. Dies ging so: 1979 wurde Prof. Ammon auf Vorschlag von Herrn Prof. Reinhard, (damals Pr\u00e4sident der Gesellschaft [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":7,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.boswellia.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/8"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.boswellia.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.boswellia.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.boswellia.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.boswellia.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/www.boswellia.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/8\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":608,"href":"http:\/\/www.boswellia.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/8\/revisions\/608"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.boswellia.org\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}